Intervallfasten für ein gesundes Gehirn

Intervallfasten für ein gesundes Gehirn

Der physiologisch wichtigste Grund dafür, dass sich Intervallfasten positiv auf die Gesundheit auswirkt ist, dass es den Prozess der Autophagie massiv verstärkt. Autophagie bewirkt, dass die Körperzellen sich ihrer alten, ineffektiven Organellen entledigen, indem sie diese in ihre Bestandteile zerlegen und als Baustoff für neue Zellorganellen verwenden.

Mit zunehmendem Alter verliert die Autophagie selbst an Effizienz und Schäden beginnen sich auf der Zellebene anzusammeln. Ein Teufelskreis bildet sich, da der Autophagieprozess von den akkummulierten Schäden weiter behindert wird und noch mehr Effizienz einbüßt.

Der Einfluss von Intervallfasten auf die Gehirnfunktion

Die nachlassende Autophagie wirkt sich auch massiv auf das Gehirn aus. Hirnleistungsstörungen wie Alzheimer werden unter anderem durch die Bildung von Plaques aus beschädigten Molekülen, beispielsweise Beta-Amyloid-Peptiden und Lipofuszin, charakterisiert.1

Die gute Nachricht ist, dass Medikamente, welche Autophagie auslösen, diese Plaques reduzieren und somit das Gehirn schützen.2 Die noch bessere Nachricht ist, dass dieser Erfolg auch ohne Medikamente erreicht werden kann, da Intervallfasten maßgeblich die Autophagie (unter anderem) auf Ebene des Gehirns ankurbelt.3

Diese neuronale Autophagie, ausgelöst durch Intervallfasten bietet möglicherweise eine simple und quasi kostenfreie Möglichkeit, sein Gehirn vor neurodegenerativen Krankheiten zu schützen.

Der Grund ist, zumindest oberflächlich bertachtet, recht simpel. Wenn dem Körper keine Nahrung und somit keine Nährstoffe zur Verfügung stehen, muss er auf andere Quellen zurückgreifen, um seine Funktionen aufrecht zu erhalten. Zur Energiegewinnung wird daher auf die Fettspeicher zugegriffen – der einfache Grund, weshalb man Fett verliert, wenn man nicht isst.

Um Proteine und andere Moleküle herstellen zu können benötigt der Körper Aminosäuren. Zur Gewinnung dieser werden im Zuge der Autophagie bestehende Proteine in ihre Bestandteile zerlegt. Dabei werden vorrangig Proteine ausgewählt, welche ihre Lebensdauer überschritten und an Effizienz eingebüßt haben.

Durch diesen Mechanismus werden lebenswichtige Proteine also nicht nur erneuert, sondern zusätzlich die Ansammlung von Molekülabfall auf Zellebene minimiert. Allerdings nur, wenn der Körper auch dazu gezwungen ist.

Die Auswirkungen von Hunger auf das Gehirn

Das Hormon Ghrelin regt Autophagie in Neuronen an.4 Ghrelin ist ein appetitanregendes Hormon und ist entsprechend dafür verantwortlich, Hungergefühl auszulösen. Die Kausalkette ist also einfach nachzuvollziehen: zu Fasten löst Hunger aus, indem Ghrelin ausgeschüttet wird, wodurch wiederum die Autophagie aktiviert wird.

Das Hungergefühl ist somit ein Zeichen für das Stattfinden von Autophagie und somit nicht nur ein Signal dafür, dass das Gehirn von Abfallstoffen befreit wird, sondern auch, dass der Körper sich in einem aktiven "Anti-Aging-Zustand" befindet (und nicht zu vergessen in einem Zustand gesteigerter Fettverbrennung).

Insulin, Intervallfasten und das Gehirn

Neben Ghrelin hat das Hormon Insulin eine besondere Bedeutung für den Autophagieprozess.5 Insulin wird vom Körper als Reaktion auf die Aufnahme von Kohlenhydraten oder Proteinen ausgeschüttet. Die Aufnahme von Fett führt zu keiner – oder nur sehr geringen – Ausschüttung von Insulin. Zu fasten sorgt für einen starken Abfall des Insulinlevels.

Heutzutage ist Nahrung glücklicherweise jederzeit verfügbar. Das führt allerdings dazu, dass auch wesentlich häufiger gegessen wird, als in der längsten Vergangenheit der Menschheitsgeschichte. Auch ist der Konsum von besonders kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln heute besonders üblich. In der Konsequenz führt dies dazu, dass das Insulinlevel der meisten Personen nie wirklich stark absinkt, was langfristig oftmals zu Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes führt.

Die Gehirne übergewichtiger Personen sind einer wesentlichen ausgesprägteren Schrumpfung unterworfen und funktionell bis zu zehn Jahre älter, als die Gehirne schlanker Personen desselben Alters.6

Gründe hierfür können beispielsweise Entzündungen im Körper sein, ausgelöst durch überschüssiges Fett, oder der dauerhaft erhöhte Insulinspiegel. Über einen längeren Zeitraum – also intermittierend zu fasten – kann beides mildern und somit den Alterungsprozess verlangsamen und schützend für das Gehirn wirken.

Fazit

Der Prozess der Autophagie, welcher für die Instandhaltung der Zellen verantwortlich ist, verliert mit zunehmendem Alter an Effizienz. In der Folge sammeln sich Abfallstoffe in den Neuronen des Gehirns.

Die Ansammlung dieser Abfallstoffe korreliert mit der Enstehung von Hirnleistungsstörungen wie der Alzheimer-Krankheit.

Intervallfasten erhöht maßgeblich die Rate, mit der Autophagie im ganzen Körper und somit auch den Neuronen stattfindet. Die schädlichen Abfallstoffe werden dadurch reduziert.

Ein erhöhter Ghrelinspiegel und ein niedriger Insulinspiegel sind wichtig für den Ablauf der Autophagie. Regelmäßiges (Intervall-) Fasten sorgt für eine Verbesserung der Autophagie in den Neuronen und minimiert dadurch unter anderem das Risiko für Hirnkrankheiten.

Ebenfalls signifikant ist der Effekt der Autophagie durch Intervallfasten auf den Alterungsprozess. Ein weiterer wichtiger Faktor hierfür ist das Mineral Eisen im Körper.

  1. The amyloid hypothesis of Alzheimer's disease: progress and problems on the road to therapeutics.
  2. A small-molecule scaffold induces autophagy in primary neurons and protects against toxicity in a Huntington disease model
  3. Short-term fasting induces profound neuronal autophagy
  4. Caloric restriction stimulates autophagy in rat cortical neurons through neuropeptide Y and ghrelin receptors activation
  5. Nutrient Deprivation Induces Neuronal Autophagy and Implicates Reduced Insulin Signaling in Neuroprotective Autophagy Activation
  6. Obesity associated with increased brain age from midlife